20-Jahr Feier: „Denken und denken lassen. Die Rolle der KI in der digitalen Transformation“

Programm

ab 09:30 Uhr

Check-In und Begrüßungskaffee

10:00 - 10:45

Klaus Eberhardt,
Geschäftsführer und Gründer,
iteratec GmbH

Begrüßung

Biografie

Nach seinem Studium der Informatik war Klaus Eberhardt über zehn Jahre Mitarbeiter bei dem Softwarehaus sd&m (inzwischen im Capgemini-Konzern integriert) tätig – als Entwickler, Projektleiter und zuletzt Mitglied der Geschäftsleitung. Schon damals ging es um Großprojekte für Großunternehmen. Die Erkenntnis, dass das zu der Zeit vorherrschende Wasserfallmodell nicht die richtige Vorgehensweise zur Bewältigung der immer komplexer werdenden IT-Projekte ist, führte schließlich zur Gründung des eigenen Unternehmens. Iterativ und inkrementell sollte zukünftig vorgegangen werden. Daher kommt auch der Firmenname. Klaus ist verheiratet und Vater von zwei inzwischen erwachsenen Kindern. In seiner Freizeit treibt er Sport, fährt im Sommer Motorrad und greift zur Entspannung gerne einmal zum Saxofon.

10:45 - 11:45

Prof. Dr. Jürgen Schmidhuber,
Dalle-Molle-Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz wird alles ändern

Ist das Ende der vom Homo sapiens sapiens dominierten Geschichte in Sicht? Kaum 75 Jahre nach Zuses erstem programmgesteuerten Rechner erledigen unsere selbstlernenden künstlichen neuronalen Netze manche Aufgabe bereits besser als Menschen, und gewinnen dabei zahlreiche Mustererkennungswettbewerbe. Automatisch entdecken sie Tumorzellen in menschlichem Gewebe, erkennen Sprache, Handschrift, oder auch Verkehrszeichen für selbstfahrende Autos, sagen Aktienkurse vorher, übersetzen Texte, oder steuern Roboter für die Industrie 4.0. Heute schon sind unsere seit den 1990ern in München und der Schweiz entwickelten tiefen Netze Milliarden Smartphone-Nutzern zugänglich, etwa für Spracherkennung. Unsere automatischen Problemlöser werden zusehends vielseitiger, und bald über mehr rohe Rechenkraft verfügen als ein Menschenhirn; ein paar Jahrzehnte später wohl über mehr als alle Menschenhirne zusammen. Die entsprechende Lernsoftware scheint nicht weit hinterherzuhinken. Zumindest auf dem Papier gibt es bereits in meinem Labor entwickelte universelle Problemlöser, die in einem gewissen mathematischen Sinne optimal sind. Unsere formelle Theorie des Spaßes erlaubt sogar, Neugierde und Kreativität zu implementieren, um künstliche Wissenschaftler und Künstler zu bauen. Diese Entwicklung wird voraussichtlich fast jeden Aspekt unserer Zivilisation sehr rasch sehr grundlegend verändern. Und superkluge KIs werden vielleicht bald das Sonnensystem und den Rest der Galaxis besiedeln.

Biografie

Seit seinem 15. Lebensjahr will Professor Jürgen Schmidhuber eine sich selbst verbessernde Künstliche Intelligenz (KI) bauen, die klüger ist als er selbst, um dann in Rente zu gehen. Seit 1987 publizierte er Pionierarbeiten zu universellen Problemlösern, seit 1991 zu "Deep Learning" mit tiefen künstlichen neuronalen Netzen (NN). Die mächtigen rückgekoppelten NN seiner Forschungsgruppen an der TU München und am Schweizer KI Labor IDSIA (USI & SUPSI) waren die ersten, die internationale Wettbewerbe gewannen. Sie revolutionierten Handschrifterkennung, Spracherkennung, maschinelle Übersetzung, automatische Bildbeschreibung, und viele andere wichtige Felder, und sind nun Milliarden von Nutzern zugänglich durch Google, Microsoft, IBM, Baidu, und zahlreiche weitere Firmen. DeepMind (für 600M an Google verkauft) wurde stark beeinflusst durch seine ehemaligen Doktoranden (2 der ersten 4 DeepMinder sowie DeepMinds erste Doktoren der KI studierten in seinem Labor, einer war Mitgründer, einer erster Angestellter). Die tiefen Lerner seines Teams waren die weltweit ersten, die Objektfindungs- und Bildsegmentierungswettbwerbe gewannen, u.a. zur Krebsfrüherkennung. Sie erzielten 2011 im Silicon Valley auch die ersten übermenschlichen visuellen Mustererkennungsresultate. Seine Gruppe gewann neun internationale Wettstreite (mehr als jede andere), und schuf die ersten Verfahren, die ohne Lehrer Steuerstrategien direkt aus hochdimensionalen Videoeingaben lernten. Sein Team etablierte weiterhin das Feld mathematisch rigoroser universeller KI and optimaler universeller Problemlöser. Seine formale Theorie der Kreativität und der Neugier erklärt erstmals Kunst, Wissenschaft, Musik und Humor. Er verallgemeinerte die algorithmische Informationstheorie und auch die Vielweltentheorie der Physik, um eine elegante minimale Theorie aller konstruktiv berechenbarer Universen zu erhalten, und führte das Konzept der "Low-Complexity Art" ein, die extreme algorithmische Form der Minimalkunst. Seit 2009 ist er Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Er publizierte 333 begutachtete Schriften, erhielt 7 best paper/best video Preise, den 2013 Helmholtz Award der International Neural Networks Society, und den 2016 IEEE Neural Networks Pioneer Award. Er ist auch Präsident der Firma NNAISENSE, die die erste praktische Allzweck-KI erschaffen will.

11:45 - 12:15

Kaffeepause und Graphical & Digital Recording mit Benjamin Felis und Malte von Tiesenhausen

12:15 - 13:15

Dirk Wittkopp,
Vice President IBM Deutschland Research & Development

Kognitive Systeme - auf Du und Du mit der Maschine

Lernende IT-Systeme stellen den vielleicht fundamentalsten Umbruch in der Evolution der Informationstechnologie dar. Kognitive Systeme erweitern und vertiefen in der Interaktion mit den Nutzern und durch gezieltes Training ihr eigenes Wissen. Das Ergebnis: Faktenbasierte Entscheidungen statt Bauchgefühl.

Das Ziel in der Entwicklung solcher Systeme ist es nicht, den Nutzer in seiner jeweiligen Funktion zu ersetzen, sondern ihn in den Aufgabenstellungen zu unterstützen, die eine immer komplexer werdende Welt für ihn bereithält.

Biografie

Dirk Wittkopp ist IBM Vice President Development und seit November 2009 Geschäftsführer der IBM Deutschland Research & Development GmbH. Das deutsche Forschungs- und Entwicklungszentrum mit Hauptsitz in Böblingen bei Stuttgart ist innerhalb der IBM Corporation eines der größten Zentren seiner Art. 

Als dessen Geschäftsführer verantwortet er die Umsetzung der IBM Strategie in das Produkt- und Lösungsportfolio einer Vielzahl von Hard- und Softwaretechnologien des Unternehmens. Daneben liegt sein Augenmerk auf der Beratung und technischen Unterstützung von Kunden durch Experten seiner Teams in enger Kooperation mit dem IBM Vertrieb rund um den Globus.

13:15 - 14:15

Mittagessen

14:15-15:15

Sascha Lobo,
Autor, Blogger, Microblogger und Strategieberater

Was haben ganz normale Leute eigentlich von der Digitalen Transformation? Wie die digitale Vernetzung die Gesellschaft verändert.

Die Digitale Transformation ist da. Endlich. Aber sie ist auch noch ganz am Anfang, denn gerade erst hat sich das Fundament der Vernetzung gebildet. Und trotzdem keine Atempause, Technologie-Geschichte wird gemacht. Entwicklungen wie Machine Learning und Künstliche Intelligenz bestehen dabei weniger aus neuer Technik, es handelt sich um ganz neue Technologiekonzepte. Mit kaum überschätzbarer gesellschaftlicher Wirkung. Die Industrialisierung war die Verschiebung manuell ausgeführter Arbeit in die Maschine. Das, was jetzt mit der Digitalen Transformation auf uns zukommt, ist deshalb mit einem Zitat von Frank Schirrmacher gut zu erahnen: "Das Internet ist die Dampfmaschine des Geistes". Mit einem Mal werden Arbeitsprozesse skalierbar, die die meisten Leute heute für nicht maschinell ersetzbar halten. Und das ist nur die Perspektive hinter den Kulissen, denn auch die Gesellschaft selbst verändert sich in atemberaubendem Tempo. Die vielen tausenden kleinen, alltäglichen Entscheidungen, die ganz normale Leute treffen, wandeln sich schneller als lange gedacht und entfalten dabei eine kaum begreifbare Wucht. Denn eigentlich ist die Digitale Transformation nichts anderes als ein ebenso hektischer wie wichtiger Versuch der Wirtschaft, sich auf die ständig wachsenden und beschleunigenden Bedürfnisse der Konsumenten einzustellen. Sascha Lobo skizziert in seinem Vortrag die gesellschaftlichen Hintergründer der Digitalen Transformation, die zu begreifen notwendig ist – damit man weiss, warum man fröhlich mittransformiert. Und sogar digital mittransformieren muss. 

Biografie

Sascha Lobo, Jahrgang 1975, ist Autor, Strategieberater und hält Fach- und Publikumsvorträge. Er beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Internet auf Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kultur. Auf Spiegel Online erscheint wöchentlich seine Kolumne “Mensch-Maschine” über die digitale Welt. Zuletzt erschien sein Buch “Internet – Segen oder Fluch”, geschrieben gemeinsam mit Kathrin Passig.

15:45 - 16:45

Prof. Dr. Helmut Krcmar,
Technische Universität München

KI für die Digitale Transformation oder Digitale Transformation durch KI

Einzelne technologischen Entwicklungslinien werden oft dann erst bedeutend, wenn sie sich mit anderen verknüpfen lassen, wenn sie aus dem Stadium der Proof of concepts herauskommen, wenn sie mit der Realität der „unsauberen“ Daten gemeinsam zurecht kommen können, wenn sie auf Nachfrage treffen und ihre Nutzung sozial akzeptabel oder gar üblich wird. Dann auf einmal werden diese technologischen Entwicklungslinien als Veranlasser neuer Geschäftsmodelle oder gar veränderter Wirtschaftsstrukturen gesehen – die Technik als Begründung der Digitalen Transformation. 

Angesichts der technischen Möglichkeiten ist zu fragen, wie mit den Auswirkungen der Nutzung von KI im geschäftlichen und mittelbar auch im privaten und gesellschaftlichen Umfeld umzugehen sei. Zum Schutze des eigenen Wettbewerbsraumes verbieten (lassen)? Den Kunden die Nutzung vorschreiben, indem man sie diesen Kunden verheimlicht? Die Kunden oder Mitarbeiter fragen, ob sie die Möglichkeiten ausschöpfen wollen? Und was tun, wenn die KI-Anwendungen nicht nur in der technischen Wartung wirken sondern auch im Management selbst?   

Der Vortrag spürt der Frage nach „Für welche Veränderungen durch die Verwendung von Techniken der Künstlichen Intelligenz könnten und sollten sich Akteure der Wirtschaft vorbereiten?“. Das reicht von der Frage der ethischen Verantwortung für die Folgen von Entscheidungen über die Frage, wie ökonomische Entscheidungen selbst in Zukunft getroffen werden können bis zu den Überlegungen, welche veränderten oder gar neuen Geschäftsmodelle entstehen und wie sich Unternehmen in diesen veränderten Wirtschaftsstrukturen positionieren können. 

Biografie

Univ.-Prof. Dr. Helmut Krcmar ist Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der TU München,  Prodekan der Fakultät für Informatik und Zweitmitglied der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften. Er ist wiss. Geschäftsführer  der fortiss gGmbH - bayerisches Landesinstitut und An-Institut der Technischen Universität München mit der Aufgabe von Forschung  und Transfer für software-intensiven Systemen und Services. Von 2010 bis 2013 war er Dekan der Fakultät für Informatik der Technischen Universität München. Seit 2004 ist er Board Member des CDTM (Center for Digital Technology and Management). Bis Mai 2007 war er Academic Director des Weiterbildungsprogramms ¡communicate! und  leitet seit 2013 den Weiterbildungsstudiengang „Business & IT des TUM Executive Education. Er ist Co-Vorstandsvorsitzender des Nationalen E-Government Kompetenzzentrums (NEGZ) und Mitglied im Vorstand und Vorsitzender des Forschungsausschuß es des Münchner Kreises e.V. und war President 2014-2015 der Association for Information Systems (AIS). Krcmar ist Gründer der Informations- und Technologie Management Beratungsgesellschaft (ITM) und Mitgründer mehrerer Spin-offs aus dem universitären Umfeld. Seine Forschungsinteressen umfassen vor allem Informations- und Wissensmanagement, Engineering und Management IT-basierter Dienstleistungen, Pilotierung von innovativen Informationssystemen im Gesundheitswesen und E-Government sowie die Computerunterstützung für die Kooperation in verteilten und mobilen Arbeits- und Lernprozessen. 

16:45-17:30 

 

 

Wie verändert Künstliche Intelligenz das Leben auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene? Eine Podiumsdiskussion mit allen Teilnehmern

Moderation: Prof. Dr. Michael Dowling

Biografie

Prof. Dr. Michael Dowling wurde auf den Stiftungslehrstuhl für Innovations- und Technologiemanagement an der Universität Regensburg berufen und mit Wirkung vom 1.7.1996 ernannt.

Prof. Dowling wurde 1958 in New York, USA, geboren. Er studierte an der University of Texas in Austin (Bachelor of Arts with High Honors), Harvard University (Master of Science) und University of Texas at Austin (Doctor of Philosophy in Business Administration). Als Austauschstudent studierte er auch zwei Jahre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Weiterhin arbeitete er als Research Scholar am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg, Österreich, und als Research Analyst bei McKinsey & Company in Düsseldorf.

Nach der Promotion war Prof. Dowling von 1988-1994 als Assistant Professor an der University of Georgia, USA, tätig und wurde dort 1995 zum Associate Professor mit Tenure befördert. Im Sommersemester 1990 war er Gastforscher am Institut für Organisation an der Ludwig-Maximilians-Universität München bei Prof. Dr. Eberhard Witte und im Sommersemester 1994 an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für Unternehmensführung bei Prof. Dr. Steinmann. 1995 erhielt er Rufe an die Universität-GHS Paderborn, an die Universität Bayreuth und an die Universität Regensburg. 1999 erhielt er einen Ruf an die Universität zu Köln und 2004 an die Handelshochschule Leipzig, sowie an die University of Lausanne in der Schweiz.

Seit 2014 ist Prof. Dowling Vorsitzender des Vorstandes des MÜNCHNER KREIS, die führende unabhängige Plattform zur Orientierung für Gestalter und Entscheider in der digitalen Welt. www.muenchner-kreis.de

Die Forschungsgebiete von Prof. Dowling sind: Strategisches Management, Innovations- und Technologiemanagement, Entrepreneurship und Internationales Management. Er veröffentlichte Forschungsartikel in folgenden Fachzeitschriften: Die Betriebswirtschaft, Strategic Management Journal, Management Science, California Management Review, Journal of Management Inquiry, Journal of Industrial and Corporate Change, Research Policy, Business Horizons, Columbia Journal of World Business, Journal of High Technology Management Research, Telematics and Informatics und Telecommunications Policy.

Prof. Dowling hat verschiedene Stipendien und Auszeichnungen erhalten: Preis für gute Lehre des Freistaates Bayern, Phi Beta Kappa, Rotary International, ein Fulbright Stipendium, zweimal ein Sarah Moss Stipendium sowie ein SEL Stiftungsstipendium.

ab 18:00

Abfahrt per Shuttle Service zur Abendveranstaltung

19:00 - Open End

 

 

Abendveranstaltung im Upside East in München